Die unheimlichen Vorfälle am Plytenberg

Moin, liebe Freunde der ostfriesischen Geheimnisse!

Heute habe ich etwas ganz Besonderes für euch. Ihr kennt sicher alle die alte Sage vom Plytenberg und den Erdmantjes. Die Geschichte vom gierigen Bauern Klaas Knieptang, der den Schatz von König Radbod stehlen wollte und dafür mit seinem Leben bezahlte, wird seit Generationen in Ostfriesland erzählt.

Aber was, wenn ich euch sage, dass diese Geschichte vielleicht mehr als nur eine Sage ist?
Bei meinen Recherchen im Archiv bin ich auf ein faszinierendes Dokument gestoßen. Es handelt sich um einen Bericht des Pfarrers Hendrik van der Velde aus Leer, datiert auf das Jahr 1672. Dieser Bericht könnte tatsächlich der erste schriftliche Beleg für die Ereignisse sein, die zur Entstehung der Sage geführt haben.
Nun, ich muss zugeben, ich bin mir nicht sicher, ob dieses Dokument echt ist. Es könnte sich um eine sehr geschickte Fälschung handeln. Aber wenn es authentisch ist, dann wirft es ein völlig neues Licht auf die Geschichte der Erdmanntjes und des Plytenbergs.
Der Bericht, den ich gleich vorlesen werde, ist deutlich unheimlicher als die Sage, die wir alle kennen. Er spricht von mysteriösen Verschwinden, seltsamen Lichtern und unerklärlichen Geräuschen. Der Pfarrer beschreibt die Ereignisse mit einer Dringlichkeit und einem Schrecken, die mich beim Lesen wirklich erschaudern ließen.
Also macht es euch bequem, dimmt das Licht und lasst euch von mir in das Ostfriesland des 17. Jahrhunderts entführen. Hier ist der Bericht des Pfarrers Hendrik van der Velde über die unheimlichen Vorfälle am Plytenberg.

Bericht über die unheimlichen Vorfälle am Plytenberg

Niedergeschrieben von Pfarrer Hendrik van der Velde, Leer, am 15. Tag des Monats Augusti im Jahre des Herrn 1672.

Mit bebender Feder und schwerem Gemüte berichte ich von den grausigen Geschehnissen, so sich in den vergangenen Wochen in unserer Gemeinde zugetragen haben. Möge der Herr uns seinen Beistand gewähren und unsere Seelen vor dem Bösen bewahren.

Es hub an mit dem Verschwinden des Landmanns Klaas Knieptang, eines Mannes, der für seinen Geiz und seine Verstocktheit bekannt war. Anfänglich wähnten wir, er sei lediglich auf Reisen gegangen, doch als Tage ins Land zogen, ohne dass man seiner gewahr wurde, wuchs die Beunruhigung in der Gemeinde.

In der Nacht des Verschwindens bekundeten mehrere Dörfler, sie hätten seltsame Lichter am Plytenberg erblickt und ein unheimliches Summen vernommen, so die Luft erfüllte. Ein Fischersmann schwur Stein und Bein, er habe in der Ems einen güldenen Fisch gesehen, der mit Menschenstimme sprach. Doch das Entsetzlichste trug sich eine Woche darauf zu.

Der Knecht des Klaas Knieptang, ein junger Bursche namens Fokko, kam bleich und zitternd zu mir. Er gestand unter Zähren, dass sein Herr ihn genötigt hatte, an einem finsteren Ritual teilzunehmen, um die sagenumwobenen Erdmanntjes heraufzubeschwören. Er berichtete von grünen Erbsen, so auf dem Boden ausgestreut wurden, und von einer grausamen Untat an einem kleinen Wesen mit einer Krone.

In der folgenden Nacht ward das Dorf von einem schauderhaften Geheul heimgesucht. Aus dem Plytenberg drang ein Klagen, das einem das Blut in den Adern gefrieren ließ. Viele Dörfler beteuerten, sie hätten kleine Gestalten erblickt, so in langer Reihe aus dem Berg kamen und zur Ems wandelten.

Am nächsten Morgen fanden wir am Gestade der Ems Spuren eines schrecklichen Kampfes. Der Boden war aufgewühlt, als hätten Riesen miteinander gerungen. Im schlammigen Erdreich fanden wir einen einzelnen Schuh, den wir als Eigentum des Klaas Knieptang erkannten. Noch immer suchen wir nach Antworten.

Die Dörfler raunen von einem Fluch, der auf uns allen laste. Einige behaupten, dass in mondlosen Nächten noch immer das Wehklagen der Erdmantjes zu vernehmen sei, und dass der Geist des Klaas Knieptang ruhelos am Ufer der Ems umherwandele. Ich flehe zum Herrn, dass er uns Erleuchtung schenke und uns vor den finsteren Mächten beschirme, die in unserer Gemeinde ihr Unwesen zu treiben scheinen.

Möge diese Niederschrift als Mahnung dienen für all jene, die in ihrer Gier nach weltlichen Schätzen die Grenzen des Göttlichen zu überschreiten trachten. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Besiegelt,
Pfarrer Hendrik van der Velde.

Was haltet ihr von dieser erschütternden Aufzeichnung? Könnte es sein, dass Pfarrer van der Velde tatsächlich Zeuge übernatürlicher Ereignisse wurde? Oder ist dies vielleicht eine geschickt erdachte Legende, um unvorsichtige Wanderer vom Plytenberg fernzuhalten? Wer weiß – vielleicht findet ihr bei eurem nächsten Spaziergang am Ufer der Ems einen einzelnen, altmodischen Schuh im Schlick.

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