Rätselhafte Begegnung am Upstalsboom

Niedergeschrieben am 15. September im Jahr 1962, Aurich.

Es war eine neblige Nacht im Spätsommer 1962, als ich, Hinrich Janssen, eine Erfahrung machte, die mich bis heute nicht loslässt. Ich war auf dem Heimweg von einem späten Fischzug und beschloss, eine Abkürzung über die Felder nahe dem Upstalsboom zu nehmen.

Der Mond schien schwach durch den Dunst, als ich mich dem alten Versammlungsort näherte. Plötzlich hörte ich leise Stimmen, die in einer mir unbekannten Sprache zu sprechen schienen. Neugierig schlich ich näher. Was ich dann sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.

Im fahlen Licht standen etwa ein Dutzend Gestalten in altertümlichen Gewändern um den Upstalsboom herum. Sie wirkten durchscheinend, fast wie Geister. In ihrer Mitte schwebte eine leuchtende Kugel. Einer der Geister – er trug eine Art Krone – streckte seine Hand nach der Kugel aus. In diesem Moment drehten sich alle zu mir um.

Ihre Augen glühten in einem unnatürlichen Blau. Wie versteinert stand ich da, unfähig mich zu bewegen. Der gekrönte Geist machte eine Handbewegung, und die Gruppe löste sich in Nebelschwaden auf. Die leuchtende Kugel schwebte noch einen Moment in der Luft, bevor auch sie verschwand.

Zitternd und verwirrt eilte ich nach Hause. Erst am nächsten Morgen erfuhr ich, dass in dieser Nacht mehrere Fischer auf See ein seltsames blaues Leuchten am Himmel beobachtet hatten.

Bis heute weiß ich nicht, was ich in jener Nacht gesehen habe. War es eine Versammlung der Geister unserer friesischen Vorfahren? Oder etwas ganz anderes, das unsere Vorstellungskraft übersteigt? Eines ist gewiss: Der Upstalsboom bewahrt noch immer Geheimnisse, die weit über unsere Geschichte hinausreichen.