Aufgezeichnet am 1. Oktober 2005.
Ich bin Hinrich Tammens aus Emden und war schon immer notorischer Langschläfer. Am 1. Oktober 2005 sollte meine Unpünktlichkeit mich in ein unglaubliches Abenteuer stürzen.
An jenem nebligen Herbstmorgen rannte ich panisch zur Bushaltestelle und sprang in den erstbesten Bus. Beim Ticketkauf bemerkte ich Seltsames: Der Fahrer trug altmodische Kleidung und starrte verwirrt auf meine Münzen, akzeptierte sie aber kopfschüttelnd.
Im Bus fielen mir antiquierte Sitze auf. Meine Mitfahrer schienen aus einer anderen Zeit zu stammen. Ich vermutete eine Kostümveranstaltung und beschloss, das Ganze nicht weiter zu hinterfragen. Anfangs kamen mir die Haltestellen noch bekannt vor, doch bald fuhren wir durch fremde Straßen. Die Häuser wirkten altmodisch. Der Nebel wurde dichter, Asphalt wich Feldwegen.
An der Endhaltestelle ,,Dunkerhaftich“ – ein mir völlig unbekannter Ort – stiegen die letzten Passagiere aus. Ich blieb allein zurück, gefangen in einem Bus, der durch Zeit und Raum zu gleiten schien. Plötzlich hielt der Bus, die Türen öffneten sich, und stolperte an der Haltestelle, wo ich eingestiegen war hinaus. Ungläubig blickte ich auf meine Uhr: Es war exakt die Zeit, zu der ich aufgebrochen war.
In meiner Tasche fand ich das Ticket mit der Aufschrift „Linie 13“. War ich in einer Zeitschleife gefangen? Existiert ein paralleles Emden?
Seither verschlafe ich nur noch selten und achte ich nun penibel darauf, in den richtigen Bus zu steigen. Die Busse meiner Heimatstadt betrachte ich mit anderen Augen. Wer weiß, wohin der nächste falsche Bus mich sonst bringen könnte? In Emden, wo Nebelschwaden Geheimnisse bergen, ist nichts unmöglich.